Wieder greife ich, Orm, zur Feder, um endlich wieder einmal einen unvoreingenommenen und definitiv korrekten Bericht unserer Abenteuer von mir zu geben...
(Übrigens kann ich diese Gänsefedern vom Händler Orkum nicht empfehlen - klecksender Müll, den ich dauernd nachschärfen muss. Er meint, das hängt mit meiner Stärke zusammen, aber von dieser fixen Idee liess er schnell ab, als ich anbot, meine Stärke an ihm zu demonstrieren).

18. Riag 1506 TH (immer noch)

Plötzlich erwache ich wieder. Verschwommen erinnere ich mich noch an den eigentümlichen Traum, aber schon verflüchtigt er sich wieder...ein Tisch mit schmalen Beinen...hartes, kaltes Licht... und ein fremder Name: "Pizza"...egal.

Mühsam öffne ich die Augen, und sehe Pyco vor mir. Ich komme nicht umhin, langsam Gefallen an dem Alten zu finden, der sich so sehr um meine Gesundheit kümmert. Irgendwie macht er einen deutlich kompetenteren Eindruck als früher, wo er eher an einen alten Weinschlauch erinnerte.
Ich richte mich auf, lehne mich an die Wand, und übersehe das übliche Chaos nach einer Schlacht. Immerhin liegen acht stark beschädigte Ogerleichen herum, und von uns stehen noch alle, auch wenn es Arwen anscheinend nicht sehr gut geht.
Nichts wie weg hier, zurück nach Haven (wie passend dieser Name plötzlich erscheint). Dann eine heisse Suppe, und ein gemütliches Bett.

Der Rückweg wurde aber wenig friedlich. Gerade will ich um eine Häuserecke spähen, als ein Ruf ertönt: "Schwerverletzte Abenteurer! Mit viel Beute!", und zwei Skrang um die Ecke stürzten.
Jetzt hatte ich aber die Nase voll - noch bin ich nicht tot, im Gegensatz zum Grossmaul, dass nach einem sauberem Hieb meinerseits tot zu Boden fiel. Auch sein Kumpan wurde sofort erschlagen: Valentin reagierte sehr schnell.
Gerade dachte ich noch, dass zwei Skrang alleine nicht mal einen Abenteurer in Bedrängnis bringen könnten, geschweige denn eine Gruppe, als über uns vier Fenster aufgestossen wurden. Armbrustschützen! Wir rennen um die Ecke, aber zu spät: ich werde getroffen, und kann mich kaum noch auf den Beinen halten, einen roten Schleier vor Augen.

Beim rennen höre ich hinter mir das typische knallende Geräusch eines magischen Blitzes: Pyco feuert in die Fenster, während Valentin neben mir aus der Luft fällt und hart auf der Strasse aufschlägt. Vor Pfeilen kann man sich halt auch in der Luft nicht verstecken. Rasch greife ich ihn mir und schleife ihn mit mir um die Ecke. Auch wenn er klein ist - tragen kann ich ihn nicht mehr, dafür habe ich doch zuviel abbekommen.
Wir sammeln uns, und Ilaris hält eine Armbrust hoch - die war aus dem Fenster gefallen und zeugt somit von Pycos Treffsicherheit.

Es gibt also doch tatsächlich ein solch mieses Pack, dass rückkehrenden Abenteurern auflauert. Na, dann haben wir ja ein schönes Ziel vor uns: die Kerle sollten alle ausgereinigt werden. Ich sehe einfach nicht ein, dass man sich in diesem Schlangennest erfolgreich gegen diverse Monster zur Wehr setzt, nur um von irgendwelchen kleinen ArschMistkerlen hinterrücks fertig gemacht zu werden.
Ich werde also ein (bzw. mehrere) Exempel statuieren. Sobald es in Haven wieder halbwegs ruhig ist, werde ich hierher zurückkehren und mal richtig aufräumen. Und wenn ich die ganze Gegend abfackeln muss. Mal sehen, wer von der Gruppe ähnlich fühlt.

Vorher müssen wir aber alle erstmal sicher zurück. Ich reiche Valentin an Derrer von Crater, und so wanken wir los und schaffen es tatsächlich - das Tor! Die Wachen sehen uns etwas erstaunt an, halten aber intelligenterweise den Mund und lassen uns hindurch. Wir gehen zu Andra - der hatten wir damals geholfen, und jetzt müssen wir auf ihr Angebot zurückkommen, jederzeit bei ihr wohnen zu dürfen.

Geradezu erstaunlich, wie gut warme Nahrung tut. Pyco wärmt sie mit den Händen (warum verbrennt er sich nicht dabei? Ich werde Magie nie verstehen), und schon fühlen wir uns alle sehr viel besser.
Mir geht es tatsächlich so gut, dass ich auf einen langen Mittagschlaf verzichte und stattdessen aus einem Kaminscheit eine sitzende Katze schnitze. Alzusehr gelingt mir dies nicht (Katzen haben kleinere Mäuler), aber Andra freute sich doch, als ich es ihr schenkte.

Inzwischen kommt Pyco, nach Rauch riechend, wieder zurück, und wir gehen alle zusammen zu Torgak, um unsere Beute zu verkaufen. Der sah allerdings nicht so sehr erfreut aus, als er unseren demolierten Zustand sah - immerhin sollen wir morgen für ihn Wachen spielen. Sein Gesicht hellte sich jedoch amüsiert auf, als wir ihm von der falschen Guilde erzählten, und er empfahl uns die "Guilde der Loyalen Abenteurer".
Dann ging es an's Feilschen (was Torak seinen Gehilfen überliess). Ich kam mir vor wie ein südländischer Pferdehändler als es lange hin und her ging, aber am Schluss verkauften wir unsere Beute zu gutem Profit. Da wir dafür höhere Preise bekamen, liessen wir uns anstelle von Gold Gutscheine geben - einkaufen wollten wir hier sowieso gründlich.

Einkaufen machte Spass. Die Gruppe sah sich viele verschiedene, teilweise recht esoterische Waffen (wie z.B. Blasrohre) und Rüstungen (Blutsteine, zur Einpflanzung in die Haut, urgh) an.
Um mich auf die kommende Ganovenausräucherung richtig vorzubereiten, kaufte ich Waffen, welche sonst eher von Dieben verwendet werden: 10 Wurfmesser mir Gürtel, sowie ein bösartiges, schwarzes Stiletto. Meine Kameraden sahen mit besorgt von der Seite an (noch hatte ich ihnen nichts von meinem Plan erzählt), aber mein nächster Kauf, einen Helm, erschien ihnen wohl eher normal.
Auf die Anderen gaben gründlich Geld aus: Ilaris besorgte zwei Erholungstränke, Valentin tauschte seine alte Lederrüstung gegen eine gesteppte Lederrüstung (sieht besser aus, und ist sicherlich auch bequemer - und solider), und Pyco kaufte einen schillernden Kristallschild.
Danach gingen wir zurück zu Andra und fielen endlich in's Bett.

19. Riag 1506 TH

Nach dem Frühstück sehe ich mir wieder die Kaminscheite an. Damit kann man doch mehr machen, als nur Katzen schnitzen - und so steigere ich mittels eines brennenden Scheites meine Unempfindlichkeit (zum verstecktem Entsetzen von Andra - aber was weiss sie schon von Kriegern).

Danach gehen wir alle zurück zu Torgak - heute ist es so weit, die Kadavermenschen kommen und wollen beschützt sein. Bei Torgak treffen wir auf mehrere andere Abenteurer, die teilweise durchaus zuverlässig aussehen. Jede Gruppe bekommt eine Himmelsrichtung zugewiesen, wir aber bewachen die Torgegend.

Oh, so spät ist es schon. Na, dann spendiere mir noch ein Bier, ich höre auf zu schreiben und zeige Dir ein Trinkspiel... wetten, dass Du zuerst unter dem Tisch landest?

zurück